Mai 13

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Buchrezension «Sexuelle Liebe auf göttliche Weise»


Patrick Pierer | 13.05.2022

Rezension zum Buch «Sexuelle Liebe auf göttliche Weise» von Barry Long

Dieses Buch ist ein Liebeslied auf die Liebe. Es ist unverblümt, direkt, desillusionierend. Es erschüttert, berührt und inspiriert dazu, wirklich zu lieben. Ich durfte erkennen, dass ich dies bisher nicht wirklich kann. Das Buch hat mich zutiefst bewegt und in Bewegung gebracht.

Ich möchte dazu zu Beginn eine persönliche Geschichte erzählen:

Es war im März 2019. Meine Partnerin und ich hatten sich im Dezember zuvor definitiv getrennt und ich hatte mich seither stark abgegrenzt – so gut ich es mit zwei gemeinsamen Kindern konnte. In einer Phase des Schmerzes, auf mich selbst zurückgeworfen, stellte ich mich vieler meiner Verletzungen. In diesem Prozess erfuhr ich eine neue Qualität von innerer Souveränität. Obwohl mir klar war, dass ich diese Frau nach wie vor liebte und begehrte, hatte ich die Trennung vorübergehend akzeptiert. Heute, nach der Lektüre dieses Buches würde ich sagen, dass ich eine Liebe zum Leben und somit zur Liebe gefunden hatte, die mich freier machte. Sie machte mich das erste Mal in meinem Leben frei genug, um zu lieben.

Wenn wir uns nun sahen, war eine starke Anziehung im Raum, die mit jedem Aufeinandertreffen wuchs. Irgendwann war sie so stark, dass wir uns entschieden, ihr Raum zu geben. Beim Zusammentreffen in diesem Raum war die Stimmung dann aber ganz anders. Irgendwie emotionslos und Lust war nicht wirklich da. Mit einer gewissen anfänglichen Enttäuschung darüber liess ich meine Erwartungen los und wir kuschelten lediglich. Als sich unserer Körper dann von alleine zu bewegen begannen, war alles anders als bei allen bisherigen Begegnungen. Diese Bewegungen waren ziellos und absichtslos, sie geschahen beinahe wie von selbst. Es erschien mir, als öffnete sich der Raum nach oben zum Himmel. Raum und Zeit lösten sich nach und nach komplett auf. Die verschiedensten Gefühle zeigten sich genauso wie Bilder, die wie nicht aus diesem Leben wirkten. Und es fühlte sich an wie Heilung. Als ich frühmorgens das erste Mal auf die Uhr schaute, kam es mir vor, wie wenn es nur Minuten und gleichzeitig eine Ewigkeit angedauert hätte.

Barry Longs Buch machte mir nun klar, was ich dort erleben durfte. Das war sexuelle Liebe auf göttliche Weise – oder zumindest ein Vorgeschmack davon. Über das Geschenk dieser Erfahrung bin ich sehr dankbar. Gleichzeitig muss ich mir nach der Lektüre dieses Buches eingestehen: Ich habe keine Ahnung, was es heisst, wirklich zu lieben. Diese Einsicht schmerzt. Mein Ego wehrt sich gegen folgende Erkenntnis: Ich habe Sex bisher beinahe ausschliesslich als Befriedigung, Suchtmittel und Ego-Bestätigung behandelt und damit die Frau, die sich mir schenkte, genauso benutzt wie auch meinen eigenen Penis. Ich habe fantasiert beim Akt wie bei der Selbstbefriedigung und war praktisch nie wirklich präsent.

Seit ich dieses Buch gelesen habe, erkenne ich meine willkürlichen Erektionen als einen Ausdruck von vergangenen emotionalen und sexuellen Verletzungen, Trieben, Sehnsüchten, Begierden, Machthunger, Fantastereien. Es fühlt sich an, als sei ich soeben hart auf dem Boden der Realität aufgeschlagen. Ich fühle mich wie in einem kompletten Vakuum. Praktisch alles, was ich über Sexualität gelernt und bisher gedacht habe, scheint mir grundlegend verkehrt. Im Moment kann ich mir keine Pornografie mehr anschauen und ich breche praktisch jeden Versuch von Selbstbefriedigung ab. Ich weiss ja gar nicht, was ich tun soll, wenn ich nicht fantasiere. Ich beobachte, wie meine Erregungen zwischen unterwürfiger Bedürftigkeit und aggressiver Dominanz hin- und herspringen und habe gerade keine Lust mehr, sie weiter zu verfolgen. Sie stossen mich ab. Ich möchte keinen Sex mehr, sondern ich möchte lieben. Aber ich habe keine Ahnung, wie das geht.

Und weil ich auf dem Boden der Realität aufgeschlagen bin, habe ich endlich festen Boden unter den Füssen. Ja, in mir tobt es. Manchmal zerreisst es mich fast, wenn ich mich diesen alten Mustern widersetze. Aber eines ist klar: Ich will nicht mehr dahin zurück. Ich habe mich auf den Weg gemacht. Ich will mich erinnern, wie man liebt. Ich gewinne nun die sexuelle Kontrolle über mich selbst und damit meine «ursprüngliche göttliche Autorität» zurück. Ich bin sehr dankbar für dieses Erlebnis vor zwei Jahren, weil es mir zeigt, dass dies für mich möglich ist und ich mich erinnern darf, wie sich diese göttliche Sexualität anfühlen könnte. Das hilft in den besonders anspruchsvollen Momenten. Ich bin mittlerweile der Überzeugung, dass es für den Mann der grösste Zustand von Glückseligkeit und Erfüllung ist, wenn er dem Leben dient. Dem Leben zu dienen heisst dem Ursprung des Lebens zu dienen – und das Leben erwächst aus der Frau, «die die Personifizierung der Liebe ist». Ich empfinde gerade eine grosse Wertschätzung für die Weiblichkeit und somit für alle Frauen. Und ich fühle Dankbarkeit für die Hingabe, die sie mir schenken genauso wie für die oft schmerzhaften Spiegelungen, die mich nun in Bewegung gebracht haben, um nun endlich lieben zu lernen.

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