Februar 3

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Das innere Kind


Ruedi Mumenthaler | 3. Februar 2022 

Warum es Sinn macht, sich mit dem Inneren Kind auseinanderzusetzen

Viele (vielleicht sogar alle?) unserer unbewussten Emotionen, die uns das Leben manchmal so schwer machen, kommen von dem kleinen Jungen (für weibliche Leserinnen gilt dies sinngemäss für das kleine Mädchen) in uns. Erkennen wir dieses Innere Kind mit seinen ungestillten Bedürfnissen, Ängsten usw. wenden wir uns ihm liebend zu, können wir uns von den negativen Emotionen befreien.

Es ist eigentlich ein einfaches Prinzip, und ich staune, dass ich über 50 Jahre alt werden musste, um es zu erkennen und für mich zu nutzen. In uns lebt ein kleiner Junge, der sich bestens an alles Schwere und Schöne erinnert, das er seit Anbeginn erlebt hat. Da war zum Beispiel die Angst, nicht geliebt oder verlassen zu werden, die in mir steckte. Es gab Momente, da brachen diese Ängste als für mich unverständliche Emotionen auf. Es war doch eigentlich alles in Ordnung, im Aussen? Warum waren dann diese Angst und Unruhe so stark spürbar? Der Verstand scheitert beim Versuch, die Ursachen für die Emotion zu verstehen. Leider haben wir nicht gelernt, dass wir besser auf unser Herz hören und diese Emotionen in ihrer Tiefe fühlen. Wenn wir wissen, dass es diesen kleinen Jungen mit diesen Erfahrungen und Emotionen gibt, können wir uns der Sache annähern. Ich konnte mich erinnern, dass man mich als Baby schreien liess. Damals lehrte man die Mütter, dass die Kinder einen klaren Rhythmus brauchen, und wenn Baby mitten in der Nacht aufwachte und trinken wollte, liess man es liegen und schreien, bis es wieder Zeit war, für das Stillen. So lernte man das. Und weil ich schon damals ein Frühaufsteher war, habe ich schon früh (sehr früh) gerufen oder eben geschrien. Ich hatte dann schon gelernt, dass in der Nacht niemand kommt. Aber gleichzeitig war die Angst gross, dass niemand mehr da ist, dass ich allein in dieser finsteren Nacht oder auf der Welt bin (was ja damals das Gleiche war). Das nur ein Beispiel von vielen Erlebnissen als Kleinkind, die uns prägen und im Kleinen Jungen ständig präsent bleiben.

Die Zuwendung zum kleinen Jungen

Es sind aber auch Freuden und Sehnsüchte, die aus dieser frühen Zeit stammen und heute noch in uns meist unbewusst aktiv wirken. Vielleicht hätten wir gerne gewisse Seiten ausgelebt, die vom Umfeld nicht akzeptiert und unterdrückt wurden. Diese Sehnsüchte schlummern in uns weiter. Wenn wir uns ihrer nicht annehmen, machen sie uns unglücklich.

Was wir heute tun können − und zwar jederzeit − egal wie alt wir sind und ob es schlimme Erlebnisse oder kleine Enttäuschungen oder grosse Hoffnungen waren, ist unser Inneres Kind mit seinen Gefühlen in unser Herz zu nehmen. Diesem kleinen Jungen mit Liebe begegnen. Wenn wir erkennen, dass das Bedürfnis geliebt zu werden, eigentlich das Bedürfnis des Inneren Kindes ist, können wir als erwachsene Männer diesen kleinen Jungen ins Herz nehmen. Das geschieht am besten in einer Meditation, also auf der Herzensebene, nicht auf der Verstandesebene. Wenn der Verstand meint, das sei Quatsch, schenk ihm eine Pause und geh trotzdem in Stille in dich. Stell dir dich im Alter von 3-4 Jahren vor. Wie du warst, wie du ausgesehen hast. Und nimm diesen kleinen Jungen in den Arm. Hebe ihn hoch und lasse ihn durch die Luft kreisen. Weisst du noch, wie du selber gejauchzt hattest, wenn dies dein Vater mit dir gemacht hatte? Ich erinnere mich noch an solche Spiele, an die «Chäas-cheeri» (übersetzt etwa Käsewende, also wenn du schwungvoll zwischen den Beinen durch gewendet wurdest). Und dann sag diesem Jungen, dass er sich nun keine Sorgen mehr machen musst. Weil du dich als erwachsener Mann nun um ihn kümmerst, ihn beschützt, ihn begleitest, für ihn da bist. Er darf sich ganz entspannen. Er muss nichts mehr für dich tun. 

Die Begegnungen mit dem Inneren Kind sind nicht immer nur angenehm und erfreulich. Es kann sich Wut, Trauer, Enttäuschung und Frust angestaut haben. Dieser kleine Junge wird nicht mit offenen Armen auf dich zurennen. Ich empfehle dir, dich behutsam und achtsam dem Inneren Kind zu nähern, offen für alles, was gerade ist und sich zeigen will. 

Wenn du dem Inneren Kind in dir diese Liebe geben kannst, wird das dich und deine Welt verwandeln. Du bist auf dem Weg, dich selbst zu lieben wie deinen Nächsten. Du bist auf dem Weg zu dir selbst. Und du kannst dir und dann auch deinen Mitmenschen die Fehler verzeihen, die wir alle machen.

Spricht dich das Thema an? Männerwelten bietet ein Seminar zum Inneren Kind an: Sabine Schröder zeigt in diesem Seminar Wege auf, um mit dem verletzten Inneren Kind in Kontakt zu kommen.

Wann: 16.-19.6.2022
Wo: Hotel Waldegg in CH-Flumserberg

https://www.maennerwelten.ch/angebote/inneres-kind-seminar

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